DAS PARFUEM                                                                                                                                                  © 2000
Interview mit Yogesh Kumar                                                                                                                          
Hierbei handelt es sich nicht etwa um den zweiten Teil des Bestsellers von Patrick Suesskind, sondern um einen sympathischen Inder, der das macht, was im Titel steht: Parfüms. Schon seit dem dreizehnten Lebensjahr beschäftigt sich der aus Bombay stammende Parfümmacher mit Düften. Seine ganzen Kompositionen bestehen ausschließlich aus natürlichen Essenzen und sorgen nicht nur dafür, dass jeder Benutzer seine besondere Duftnote erhält, sondern auch sein inneres Gleichgewicht wiederfindet. Hoppla, was war das gerade? Inneres Gleichgewicht wiederfinden?
 
„Nun ja“, sagt Yogesh schmunzelnd „in der Arjuweda-Medizin sagt man: Was immer du ausschwitzt, ist mit deinem inneren System verbunden und darum enthüllt der Körpergeruch, die Persönlichkeit des Menschen. Normalerweise zeigen wir unsere Schwächen nicht, wir ziehen eine Maske über unser Selbst und präsentieren uns in der Öffentlichkeit anders als wir wirklich sind. Am Geruch des Körpers kann man oft erkennen, dass das wahre Ich Ängste hat sich zu zeigen.“
 
Uupps! Man kann das Selbst riechen? Wo wir uns doch alle soviel Mühe geben, eine Maske über unser wahres Ich zu ziehen.
 
"Selbstidentität und die Angst vor dem eigenen Ich zu verlieren, ist der erste Schritt zur Spiritualität. Genau wie eine Pflanze wächst, so wächst auch der Spirit in dir bei allem was du tust und erlebst. Selbstidentität ist, wenn du dich selber kennst, und dann kann dein spiritueller Prozess beginnen.“
 
Du meine Güte, das klingt aber sehr esoterisch.
 
"Na ja, ich komme schließlich aus Indien, einem Land, das sehr viel Aufmerksamkeit auf spirituellen Wachstum legt. Introspektion lässt uns das Selbst erkennen und ein schöner Duft kann helfen."
 
Kein noch so gut getarntes Selbst ist also vor deiner Nase sicher?
 
„Nicht wirklich. C.G. Jung sagte mal, dass wir alle im Unterbewußtsein verbunden sind. Genau so ist es, wenn du jemanden riechst, dann kannst du auch die Natur des Menschen erkennen. Manchmal schwitzen Leute wegen der Blockaden im inneren System. Leute können ihren natürlichen Körpergeruch ändern, wenn sie z. B. Stress haben, wenn sie sich ärgern, wenn der Blutdruck steigt. Das subtile System gibt den Körpergeruch vor. Wenn ich für jemanden ein Parfüm komponiere, dann kann ich am natürlichen Körpergeruch der Person oft erkennen, welche Schwachpunkte vorliegen. Dann werde ich einige korrigierenden Basis-Essenzen in das Parfüm mischen, die auf sehr subtile Weise das innere System balancieren”.
 
Und wenn man jemanden im wahrsten Sinne des Wortes nun wirklich „nicht riechen“ kann?
 
“Dann würde ich zuerst einmal gerne herausfinden, warum er so schlecht riecht. Die Schwächen der Person, so dass ich dementsprechend die Essenzen mischen kann. Physisch und spirituell kann es helfen. Natürlich wird keiner nach Benutzung meines Parfüms schlagartig sein Leben verändern, aber er wird sich selbst vielleicht besser kennenlernen und das ist eine große Hilfe. Einmal habe ich ein Parfüm für eine krebskranke Frau gemacht. Sie ist natürlich nicht vom Krebs geheilt worden, weil ich keine Wunderparfüms herstelle, aber sie hat mir bestätigt, dass sie sich physisch besser fühlt. Es ist ja auch so, wenn man ein individuelles Parfüm bekommt, dann erfüllt einen das mit Freude und die Freude kommt aus dem Herzen. Und wenn es dem Herzen gut geht, dann geht es dem Menschen auch gut.“

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