Auszug aus einem Interview mit Tilman Schillinger, Schauspieler und Regisseur                                              © 2001
 
Der Schauspieler und Regisseur lernte seine Kunst am Max-Reinhard-Institut in Wien und am Conservatoire d’Art Dramatique in Paris. Sein Debüt fand im legendären Burgtheater in Wien statt, wo der geborene Pfälzer unter der Regie von Peter Zadek in “Medea” brillierte. Nach einem langjährigen Vertrag mit dem Stadttheater Gießen folgten die ersten Regieversuche im Berliner “Varieté der Freude”. Leider mangelte es an Sponsoren, und nachdem man lange “Faust” und weniger lange eine Komödie aus eigener Feder gespielt hatte, musste das “Varieté der Freude” wieder geschlossen werden. Tilmann ging dann zu SAT 1, spielte zwei Jahre lang in der Seifenoper-Produktion “Unter uns” mit und wurde als ‘Bernd’ berühmt.  1996, als TEV gegründet wurde, übernahm er die Rolle des ‘Punchinellos’ und des ‘Cleantes’ im “Eingebildeten Kranken”, produzierte sein eigenes Theaterstück “Hamlet - der Film”, eine Studie über den Sinn im Wahnsinn und übernahm bei Mozarts “Zauberflöte” die Regie.
 
Tilmann, was machst Du gerade?
Zur Zeit bin ich sehr damit beschäftigt, Vater zu sein. Zwei Kinder in noch nicht mal zwei Jahre. Darshan, der Groessere von Beiden, klettert mit Freude immer wieder seine Lieblingstour. Und die ist von unserem Sofa auf das Klavier, um von dort herunterzufallen. Die kleine Priti trinkt, schlaeft, schreit und grinst ab und zu. Darshan schlaegt sie gerne mit der Giesskanne auf dem Kopf. Das tut nicht nur verdammt weh, sondern hinterlaesst auch dicke Beulen.
 
Reicht Dir das, oder hast Du vor auch wieder Theater zu spielen?
Ich spiele im Moment in einer ziemlich guten Improvisationstheatergruppe mit dem unmoeglichen Namen "Freispiel 38 Ue n.N" . Dann habe ich zwei sehr gute Jobs bekommen in der Zeit, in der wir die Zauberfloete in Wien geprobt haben. Der erste Job ist Coaching bei meiner alten Fernsehserie "Unter Uns". Ich trainiere die jungen Darsteller, bringe ihnen das ABC des Schauspielens bei und betreue sie. Der zweite Job ist eine Comedy Serie, in der ich mitspielen soll, es ist nur noch nicht entschieden, ob sie ueberhaupt gemacht wird. Zwei Episoden haben wir letztes Jahr gedreht, sie werden in diesem Monat ausgestrahlt. Dann wird es eine Publikumsbefragung geben, anhand der entschieden wird, ob es zu einer Dauerserie wird.
 
Gibt es Plaene fuer eine neue Produktion wie Hamlet - der Film?
Oh nein, die Erfahrung war mir zu teuer. Ich habe das ganze Geld verprasst, dass ich in meiner Zeit als Soap Darsteller verdient habe. Heute weiss ich, dass ich Verantwortung haette abgeben und nicht alles alleine machen sollen. Und dann haette ich auch nicht mein eigenes Geld ausgeben duerfen. Das macht nervoes und wenn Du als Produzent nervoes bist, sind es ploetzlich alle.
 
Die Proben für die Zauberflöte waren ja auch kein Zuckerschlecken. War es genauso schwierig wie beim “Eingebildeten Kranken?“
Ja, nein, ja ,nein , obwohl, vielleicht, ja! Wieder sehr wenig Geld, 75 Leute, die alle erstmal ueber den grossen Teich mussten. Und dann Regen, unendlich viel Regen, soviel Regen das wir uns im Proben Hangar nur anschreien konnten, um uns zu unterhalten. Schlamm!!! Der Weg zu den Toiletten eine Rutschpartie. Aber wieder tolle Leute, tiefe Menschen, starke Vibrationen. Ich moechte wirklich allen danken , die dieses Projekt mitgemacht haben, denn es war wirklich fuer die meisten eine harte Zeit! Und das schlimmste ist: wir machen weiter.


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